05.02.2026 - KI

Google Genie 3 und Weltmodelle für dein Training

Mit Google Genie 3 entstehen aus Texten begehbare Trainingswelten für echtes interaktives Lernen.

Google Genie 3 und Weltmodelle für dein Training

Du sitzt im Büro, planst ein Training oder eine Präsentation und merkst etwas. Am Ende läuft es wieder auf PowerPoint, PDFs und ein paar Videos hinaus. Es bleibt passiv, wenig interaktiv, selten wirklich „erlebt". Gleichzeitig taucht ein Begriff immer häufiger auf, nämlich Google Genie 3. Dahinter steckt eine neue KI‑Generation, die nicht mehr nur Bilder oder Texte erzeugt, sondern vollständige virtuelle Welten. Durch die kannst du dich frei bewegen. Genau das macht diese Technologie auch für Büroarbeit, Weiterbildung und Unternehmensprozesse interessant.

Was ein Weltmodell eigentlich ist

Um Genie 3 zu verstehen, musst du zuerst wissen, was ein Weltmodell ist. Ein klassischer Bildgenerator malt dir ein schönes Foto von einem Wald. Ein Videogenerator zeigt dir einen Film durch den Wald. Ein Weltmodell dagegen lässt dich in diesen Wald hineingehen, nach links abbiegen, stehen bleiben oder zurücklaufen. Es berechnet in Echtzeit, wie die Umgebung aussehen muss. Weltmodelle simulieren also die Dynamik einer Welt.

Sie sagen voraus, was passiert, wenn jemand eine Aktion ausführt. Forschende wie Yann LeCun oder Fei‑Fei Li sehen darin einen Schlüssel in Richtung „echteres" Weltverständnis von KI. Solche Systeme lernen Ursache‑Wirkung‑Zusammenhänge, so wie wir Menschen es intuitiv tun. Wenn wir etwa wissen, dass ein fallengelassener Stift nach unten fällt.

Wie Genie 3 begehbare Welten erzeugt

Genie 3 ist genau so ein Weltmodell. Du gibst einen einfachen Text ein wie „eine mittelalterliche Burg bei Sonnenuntergang" oder „ein modernes Büro mit Glaswänden". Wenige Sekunden später entsteht eine begehbare virtuelle Umgebung. Du steuerst eine Figur, bewegst dich durch Räume, öffnest Türen, läufst Treppen hinauf. Das Besondere ist, dass die Welt nicht einmalig gerendert wird, wie bei einem Video, sondern Frame für Frame in Echtzeit erzeugt wird. Mit etwa 24 Bildern pro Sekunde in 720p.

Wenn du dich umdrehst und zurückgehst, erinnert sich das Modell an das, was es zuvor erzeugt hat. Es stellt die Szene konsistent wieder her. So entsteht der Eindruck einer zusammenhängenden Welt, obwohl alles „on the fly" aus deiner Interaktion heraus berechnet wird. Ziemlich beeindruckend.

Die Technik hinter dem Weltmodell

Technisch arbeitet Genie 3 autoregressiv. Das heißt vereinfacht, dass jedes neue Bild auf dem aufbaut, was bisher passiert ist. Das Modell führt eine Art visuelles Kurzzeitgedächtnis, ungefähr im Bereich einer Minute. Innerhalb dieser Zeit weiß es noch, wo Objekte lagen, welchen Weg du genommen hast und wie die Kamera sich bewegt hat. Intern kann man sich den Prozess als drei Schritte vorstellen.

Zuerst wird dein Text in eine abstrakte Beschreibung einer Szene übersetzt. Dann berechnet das Weltmodell, wie sich diese Szene weiterentwickelt, wenn du eine Taste drückst oder dich bewegst. Zum Schluss wird diese abstrakte Beschreibung wieder in sichtbare Bilder verwandelt. All das passiert mehrere Dutzend Male pro Sekunde. So bekommst du den Eindruck einer flüssigen, interaktiven Welt.

Project Genie verbindet mehrere KI‑Systeme

Rund um Genie 3 hat Google mit „Project Genie" eine Art Demonstrationsplattform geschaffen. Dort arbeiten mehrere spezialisierte KI‑Modelle zusammen. Ein Bildmodell wie Nano Banana Pro erzeugt aus deinem Prompt zunächst eine hochwertige Startszene. Das Weltmodell Genie 3 sorgt dafür, dass diese Szene lebendig wird und auf deine Aktionen reagiert. Ein größeres Modell wie Gemini übernimmt die Rolle des „Regisseurs" im Hintergrund und koordiniert Perspektiven, Bewegungen und Steuerung.

Für dich bleibt das alles unsichtbar. Du erlebst nur den nahtlosen Übergang von der Texteingabe zur begehbaren Simulation. Das funktioniert ziemlich gut.

Anwendungen für deinen Arbeitsalltag

Vielleicht klingt das zuerst nach einem reinen Gaming‑Thema. Tatsächlich könnte Genie 3 das Prototyping von Spielwelten deutlich beschleunigen, denn Levelideen ließen sich per Textbefehl ausprobieren, statt wochenlang modelliert zu werden. Spannender für deinen Arbeitsalltag sind aber andere Anwendungen. In HR könnten Onboardings oder Schulungen in simulierten Unternehmenswelten stattfinden, in denen Mitarbeitende typische Situationen durchspielen. Ein Mitarbeitergespräch, ein komplexer Freigabeprozess oder der Umgang mit einem heiklen Kundenfall.

In Finance ließen sich Risikoszenarien in virtuellen „Unternehmenswelten" testen, bevor reale Entscheidungen getroffen werden. In der Ausbildung könnten Lernende durch historische Städte laufen, durch ein virtuelles Fabrikgelände navigieren oder sich im wahrsten Sinne des Wortes „ein Bild" von komplexen Abläufen machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Grenzen und aktueller Entwicklungsstand

Trotzdem ist Genie 3 kein fertiges Produkt für den Büroalltag, sondern noch ein Forschungsprototyp. Die Sessions sind zeitlich begrenzt, die Physik ist vereinfacht, nicht jede Szene wirkt fotorealistisch. Die Steuerung fühlt sich eher wie ein früher Techtest an als wie ein ausgereiftes Spiel. Auch werden reale Orte bisher nur grob nachempfunden, nicht exakt rekonstruiert. Zugleich gibt es Konkurrenz, denn andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Weltmodellen.

Die sind teilweise stärker auf Robotik, teilweise auf Unternehmensanwendungen ausgerichtet. Das zeigt eins. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, bei der verschiedene Ansätze parallel ausprobiert werden.

Was du heute daraus mitnehmen kannst

Was kannst du heute daraus mitnehmen? Genie 3 ist ein Blick in eine Zukunft, in der KI nicht mehr nur Präsentationen, Texte oder Bilder erzeugt. Sie simuliert ganze Situationen, in denen Menschen und KI‑Agenten gemeinsam lernen. Für dich lohnt es sich, dieses Konzept zu verstehen und wachsam zu verfolgen, wo in deinem Unternehmen von Simulation, virtuellen Trainingswelten oder KI‑Agenten in digitalen Umgebungen die Rede ist.

Wenn du dich früh einbringst, kannst du helfen, dass diese Technologien sinnvoll, transparent und menschlich eingesetzt werden. Statt später nur Anwenderin oder Anwender einer Blackbox‑Lösung zu sein.

05.02.2026, Matteo Grappasonno